Veröffentlichung in der DVGW energie | wasser-praxis 08/2025

Die Sanierung des über 50 Jahre alten Trinkwasserbehälters „Reststrauch“ im nordrhein-westfälischen Mönchengladbach ist ein herausragendes Beispiel für eine moderne Instandsetzung in der Trinkwasserversorgung. Das technisch und logistisch anspruchsvolle Projekt zeigt, wie sich höchste hygienische Anforderungen mit den Herausforderungen einer komplexen Bauwerksstatik erfolgreich vereinen lassen – und wie durch präzise Planung und innovative Sanierungslösungen ein jahrzehntealtes Bauwerk langfristig fit für die Zukunft gemacht wird.

Der Trinkwasserbehälter Reststrauch wurde in enger Zusammenarbeit zwischen der Flint Bautenschutz GmbH als bauausführendem Unternehmen und der NEW NiederrheinWasser GmbH als Auftraggeberin im Zeitraum zwischen dem Spätsommer 2024 und Mitte 2025 durchgeführt. Im Zentrum stand dabei die strukturelle Erhaltung der beiden runden Wasserkammern, die Erneuerung der Anlagentechnik und nicht zuletzt die Digitalisierung der Bauwerksinformationen mittels Building
Information Modeling (BIM).

Die Herausforderung: zwei runde Wasserkammern mit filigranen Kuppeldecken, minimalen Zugängen und einer Bauwerksstärke von nur 10 cm – saniert bei laufendem Betrieb. Ein Baustellentag mit hochinformativen Fachvorträgen und Vor-Ort-Besichtigung, den die Flint Bautenschutz GmbH zusammen mit NEW im Dezember 2024
organisiert hat, machte das komplexe Zusammenspiel aus Technik, Hygiene und Digitalisierung sowie den hohen Nutzwert einer sorgfältigen Planung und Bauausführung für die rund 80 anwesenden Wassermeister, Mitarbeitenden von Stadtwerken und Planer eindrucksvoll erlebbar.

Für eine leistungsfähige Wasserversorgung

 

Das Wasserwerk Reststrauch, betrieben von der NEW Niederrhein Wasser GmbH (Tochter der NEW AG), befindet sich am Standort Reststrauch in Mönchengladbach- Rheydt. Es ging 1890 zur Versorgung der Bürgerinnen und Bürger von Rheydt in Betrieb. In dem Wasserwerk wird Grundwasser aus den Wassergewinnungsanlagen Reststrauch, Fuchskuhle und Wiedbusch zu Trinkwasser aufbereitet. An diesen Standorten gibt es insgesamt neun Vertikalfilterbrunnen, die in zwei verschiedenen Grundwasserstockwerken verfiltert sind und das Grundwasser aus 30 bis 85 m Tiefe zum Wasserwerk fördern. Insgesamt können bis zu 5 Mio. m³ Trinkwasser jährlich abgegeben werden. Aus den vor Ort befindlichen offenen Filterbecken fließt das Wasser nach intensiver Aufbereitung in die beiden Trinkwasserbehälter Reststrauch, die über ein maximales Volumen von 6.000 m³ verfügen und Gegenstand der aktuellen Sanierungsmaßnahme sind.

 

Nachhaltige Instandsetzung von Trinkwasserbehältern

 

Trinkwasserbehälter existieren in unterschiedlichsten Konstruktionsformen – entsprechend vielfältig sind auch die Anforderungen an ihre Instandhaltung und
Beschichtung. Unabhängig von der jeweiligen Bauweise unterliegen die wasserberührten Oberflächen langfristig physikalischen und chemischen Abbauprozessen. Korrosion, chemische Reaktionen und Hydrolyse greifen sämtliche Feststoffe an – auch Beton bleibt hiervon nicht verschont. Instandsetzungen sind daher unausweichlich und müssen – so Martin Bolesta, Leiter Technik bei der P & T Technische Mörtel GmbH & Co. KG in einem Fachvortrag zum Thema im Rahmen des Baustellentages – sorgfältig konzipiert werden. Dabei sollte jede an Langfristigkeit und Nachhaltigkeit orientierte Sanierungsmaßnahme grundsätzlich zwei zentrale Aufgabenbereiche berücksichtigen: die Instandsetzung des Bauwerks und die Beschichtung bzw. Auskleidung der Wasserkammer. Eine bloße Applikation von Beschichtungen ohne vorherige Substanzsanierung ist aus technischer Sicht nicht ausreichend – das DVGW-Arbeitsblatt W 300 weist in diesem Zusammenhang ausdrücklich auf die Notwendigkeit einer substanzsichernden Bauwerkssanierung hin. Ein in der Praxis bewährtes Vorgehen besteht daher in der Kombination beider Arbeitsschritte unter Verwendung eines bauaufsichtlich zugelassenen, mineralischen Mörtelsystems, wie dies in Reststrauch der Fall ist. Dieses Vorgehen bietet eine Reihe technischer Vorteile: Zum einen entstehen keine verdeckten Hohlräume, wodurch hygienische Risiken minimiert  werden. Zum anderen lassen sich durch die Reduzierung von Arbeitsschritten sowohl die Bauzeit als auch die logistische Komplexität deutlich senken. Darüber hinaus werden Schichtgrenzen als potenzielle Schwachstellen vermieden, was sich positiv auf Dichtigkeit und Dauerhaftigkeit auswirkt. Da das Material mit dem Untergrund (Beton) identisch ist, weist es eine exzellente Verbundfestigkeit auf. Auch hierdurch wird das
Risiko mikrobieller Aufkeimung wirkungsvoll minimiert. Diese Zusammenhänge und die konkrete Umsetzung vor Ort waren zentrale Themen des Fachvortrags, der den Teilnehmenden fundiertes Hintergrundwissen zu dem laufenden Sanierungsprojekt bot.

 

Ein zentraler Aspekt der Sanierung betraf die Bodenplatte. Um hier eine maßgeschneiderte Lösung zu adressieren, kam das von der Flint Bautenschutz GmbH eigenentwickelte System FlintsCoat zum Einsatz.

Bauwerksstruktur und Sanierungsumfang

Der Trinkwasserbehälter Reststrauch wurde im Jahr 1972 errichtet und besteht aus zwei runden, jeweils 3.000 m³ fassenden Wasserkammern, die durch eine zentrale Schieberkammer miteinander verbunden sind. Beide Kammern verfügen über sogenannte „schlaffe“ Kuppeldecken mit einem Radius von ca. 14 m und einer Bauhöhe von bis zu 8,60 m – bei einer Konstruktionsstärke von nur 10 cm. Diese filigrane Betonstruktur stellt höchste Anforderungen an die statische Sicherheit sowie an die Auswahl und Anwendung geeigneter Instandsetzungssysteme. Die Sanierung erfolgt in zwei Bauabschnitten, um die kontinuierliche Wasserversorgung sicherzustellen: Während jeweils eine Kammer außer Betrieb genommen wird, bleibt die andere in Nutzung. Zwischen den Kammern wurde zu diesem Zweck eine temporäre Abschottung installiert. Im Zuge eines besonderen Hygienekonzeptes hat Flint die Baustelle mitsamt Umgebung zum Schutz vor Kontamination in vier Hygienezonen eingeteilt. Bäume und Büsche wurden in einem Abstand von 4 m von der Behälteraußenwand entfernt und die Bauwerksabdichtung überprüft.

 

Die Ausgangssituation

 

Eine der größten Herausforderungen bestand in der sehr lückenhaften Dokumentationslage. Lediglich zwei alte, digitalisierte Pläne lagen vor – Informationen zur Bausubstanz oder bisherigen Instandhaltungsmaßnahmen hingegen fehlten vollständig. In einem ersten Schritt erfolgte daher eine umfassende visuelle und technische Bauwerksanalyse, die diverse Schäden offenbarte. Hierzu gehörten: massive Betonabplatzungen an Decken und Wänden, mangelhafte Rohrdurchführungen, schadhafte Bauwerksfugen, undichte Wand-Sohl-Anschlüsse sowie unzureichend zugängliche Wartungsbereiche. Darüber hinaus waren die Einstiegs- und Rettungswege stark eingeschränkt und es fehlte eine mechanische Belüftung oder Luftfilterung. Die Bausubstanz selbst wurde der Altbetonklasse A3 zugeordnet – damit grundsätzlich instandsetzbar, aber mit deutlichem Handlungsbedarf.

Im Hinblick auf die besonderen statischen Anforderungen, insbesondere an die Kuppeldecken, war eine klassische Betoninstandsetzung – etwa durch Spritzauftrag mineralischer Deckschichten mit Einbindung der Bewehrung – nicht umsetzbar. Stattdessen musste die Bewehrung manuell freigelegt und anschließend gezielt mit dem mineralischen Korrosionsschutzsystem Vandex BB75 beschichtet werden. Diese Vorgehensweise war angesichts der enormen Arbeitshöhe von über 8 m nicht zuletzt mit Blick auf die Arbeitssicherheit hoch anspruchsvoll. 

 

FlintsCoat – technisch und wirtschaftlich überzeugend

 

Ein weiterer zentraler Aspekt der Sanierung betraf die Bodenplatte, wo das Problem eines ungleichen Haftverbunds zwischen Tragstruktur und Estrich bestand. Um eine maßgeschneiderte Lösung zu adressieren, kam das von der Flint Bautenschutz GmbH eigenentwickelte System FlintsCoat zum Einsatz. Die patentierte Innovation basiert auf einem nach DIN 18551 und DVGW-Merkblatt 347 zugelassenen, aus rein mineralischen Grundstoffen bestehenden Spritzbeton, der mit speziellen Edelstahlfasern verstärkt ist und dadurch schadhafte Untergründe schnell und einfach ausgleicht. Sowohl Größe als auch Menge der Edelstahlfasern können individuell an die Verhältnisse vor Ort angepasst werden. Der Auftrag erfolgt mittels Hochdruckkompressor, was eine exzellente Verdichtung und eine äußerst geringe Porosität der Bodenschicht bewirkt. Damit wird nicht nur die strukturelle Stabilität verbessert, sondern auch das Risiko physikalisch-chemischer Schäden wie Hydrolyse minimiert. Eine glatte Oberfläche wird durch eine abschließende Deckschicht aus Spritzmörtel erzielt. Dadurch konnte in Mönchengladbach auf eine kostspielige Stahl-Betonsohle verzichtet werden.

 

Blick in die erste, bereits fertiggestellte Kammer: Im Wand- und Deckenbereich kam ein rein mineralisches Beschichtungssystem zum Einsatz, bestehend aus einer Deck- und Opferschicht. Alle Komponenten des rein mineralischen Beschichtungssystems sind frei von Betonzusatzmitteln oder polymeren Bestandteilen, was den strengen hygienischen Anforderungen im Trinkwasserbereich entspricht.

Mineralische Beschichtung nach Typ 1

Im Wand- und Deckenbereich kam ein rein mineralisches Beschichtungssystem zum Einsatz – bestehend aus einer Deck- und Opferschicht. Alle Komponenten sind frei von Betonzusatzmitteln oder polymeren Bestandteilen, was den strengen hygienischen Anforderungen im Trinkwasserbereich entspricht. Auch die nahezu vollständige Erneuerung der Anlagentechnik war Teil des Sanierungskonzepts. Dabei musste berücksichtigt werden, dass die Spannbetonwände aus statischen Gründen nicht durchbohrt werden durften. Bestehende Wanddurchführungen wurden daher weiterverwendet, was besondere planerische Präzision und eine kontinuierliche enge Abstimmung aller Projektbeteiligten erforderte.

 

Schmale Deckenöffnung ist kein Hindernis

 

Die Zugangssituation zu den Kammern war ebenfalls eine logistische Herausforderung: Der Einstieg erfolgte über eine lediglich 1 × 1 m große Öffnung in der Decke, die im Zuge der Sanierung lediglich auf 1,3 m verlängert werden durfte. Über diese Öffnung mussten sämtliche Materialien, Geräte und Werkzeuge eingebracht werden – ein arbeitsintensiver und technisch anspruchsvoller Vorgang, insbesondere bei der Verarbeitung von Materialien im Nassspritzverfahren über große Schlauchlängen. Positiv wirkte sich hier aus, dass die für die Beschichtung eingesetzten Systeme wie Kerasal für lange Förderstrecken geeignet sind.

Mit digitalem Zwilling

Ein zentraler Bestandteil des Projekts war der digitale Zwilling des Bauwerks. Dies erläuterte Betontechnologe Peter Sudermann in einem hoch informativen Überblicksvortrag zu der Baumaßnahme. Mithilfe von 3D-Laserscanning – so Sudermann – sei eine vollständige Geometrieaufnahme des Hochbehälters erstellt worden. Aus den gewonnenen Punktwolken entstand ein detailliertes 3D-Modell, das als Grundlage für das digitale Bauwerksmanagement und die Implementierung von Building Information Modeling (BIM) dient. Das Modell ist webbasiert über digitaler Realität sahen alle Projektbeteiligten einen zukunftsorientierten Paradigmenwechsel im Bauwerksmanagement öffentlicher Trinkwasserversorgung. Im Einklang mit dem „Stufenplan Digitales Planen und Bauen“ des Bundesministeriums für Digitales und Verkehr werden alle relevanten Bauwerksinformationen schrittweise in einem zentralen, durchgängigen System zusammengeführt. Daraus ergibt sich eine optimierte Planbarkeit zukünftiger Wartungs- und Instandsetzungsmaßnahmen.


Im Zuge eines besonderen Hygienekonzeptes hat Flint die Baustelle mitsamt Umgebung zum Schutz vor Kontamination in vier Hygienezonen eingeteilt.
Schwierige Logistik: Auch die Einstiegs- und Rettungswege im Kontext der Sanierung des Trinkwasserbehälters in Reststrauch waren stark eingeschränkt.

Asset-Management als zentrale Steuerungsebene

 

Ein zentrales Element des Konzepts, so Sudermann in seinem Vortrag, war auch die Einbeziehung eines ganzheitlichen Asset-Managements. Ziel sei es, die Versorgungssicherheit dauerhaft zu gewährleisten und die Lebensdauer der Anlage auf über 100 Jahre auszurichten – was für Ingenieurbauwerke in der Wasserwirtschaft ein realistischer Erwartungswert ist. Asset-Management wird hier nicht nur als planerisches oder administratives Werkzeug verstanden, sondern als integraler Bestandteil des gesamten Sanierungsprozesses. Es ermöglicht eine vorausschauende Instandhaltungsplanung auf Basis digitaler Bauwerksdaten und unterstützt die Betriebsführung durch eine durchgängige Dokumentation.

 

Kooperation als Schlüssel zum Erfolg

 

Der Projekterfolg in Reststrauch basierte maßgeblich auf einer konsequent kooperativen Arbeitsweise aller Beteiligten. Sämtliche Fragestellungen – von bautechnischen Details bis hin zu hygienerelevanten Anforderungen – wurden gemeinsam besprochen und abgestimmt. Entscheidungen wurden nie isoliert getroffen, sondern stets im engen Schulterschluss aller Projektpartner gefällt. Dieses partnerschaftliche Vorgehen führte nicht nur zu tragfähigen Lösungen, sondern förderte ein besonderes Vertrauensverhältnis, das sich für den gesamten Projektverlauf als vorteilhaft erwies. Auch das zertifizierte Fachwissen nach dem DVGW-Arbeitsblatt W 316, über das die Flint Bautenschutz GmbH verfügt, war in diesem Zusammenspiel ein entscheidender Baustein für eine erfolgreiche Durchführung dieses Vorzeigeprojekts. Dies brachte nochmals der Fachvortrag „Das Projekt TWB Reststrauch: Maßnahmen der Betontechnischen
Instandsetzung – Bauherr und Auftraggeber im Dialog“ von Guido Peltzer (NEW NiederrheinWasser GmbH) und Simon Adriaans (Flint Reststrauch, bei der der hochwertige theoretische Input live vor Ort nachvollzogen werden konnte, stieß bei allen Teilnehmenden auf große Begeisterung. Hier erhielten sie nochmals
praxisnahe Einblicke in den Sanierungsprozess – vom Vorbereiten des Untergrunds über den Mörtelauftrag bis zur fertigen Oberfläche und die eingesetzten Techniken, Produkte sowie die logistischen und hygienischen Anforderungen.

 

ewp-Fachartikel als PDF

Qualifikationen & Zertifikate

60-Sekunden-Bewerbung

Nutzen Sie die Möglichkeit der unkomplizierten und schnellen Online-Bewerbung

60-Sekunden-Bewerbung

Ich habe Interesse an einer Stelle als …

60-Sekunden-Bewerbung

Persönliche Daten

*Pflichtfelder
60-Sekunden-Bewerbung

Kontaktdaten

*Pflichtfelder
60-Sekunden-Bewerbung

Berufsausbildung

60-Sekunden-Bewerbung

Fragerunde

60-Sekunden-Bewerbung

Einwilligung